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Unsplash Andre Hunter |
Haben Sie auch manchmal schlechte Laune bei der Arbeit? Der Berg an to do´s
wird einfach nicht weniger: kaum ist eine Aufgabe weg – zack, liegt schon die
nächste auf dem Tisch…Vielleicht kennen Sie auch das Gefühl, von Termin zu
Termin zu jagen? Zeit ist ja in den Unternehmen das „neue Gold“ – was leider
nicht heißt, dass Meetings seltener werden: Gefühlt wird am besten alles schon
auf Monate im Voraus geblockt und verplant, so dass für aktuelle
Fragestellungen oder Austausche meist gar keine Zeitfenster zur Verfügung
stehen. Ob die gemeinsamen Treffen dann Wochen später noch Sinn machen steht
auf einem ganz anderen Blatt…Und dann die Meetings selber: wer kennt es nicht,
die stundenlangen Debatten über fadenscheinige Themen? Je „ungefährlicher“ ein
Punkt ist, desto länger wird darüber gesprochen und noch die letzte Facette
herausgebohrt. Beliebt auch die „was-könnte-passieren-wenn-Diskussionen“. Da
kann es schon mal vorkommen, dass in einer Führungsrunde hochbezahlte Manager 4
Stunden darüber sprechen, wie am besten Entscheidungen zu treffen sind. Für die
wesentlichen Dinge – wie die Entscheidung selbst – bleibt dann oft nur wenige
oder keine Zeit mehr übrig…
Inhalt:
Täglich grüßt der Alltag
Arbeit gibt uns Sinn
Eine Erklärung macht noch keine Lösung
Emotional stabil in einer nicht perfekten Arbeitswelt
Für mich zu sorgen statt mich zu ärgern
Fazit
Täglich grüßt der Alltag...
Und kennen Sie auch das: Sie geben jeden Tag Ihr Bestes, übernehmen
Verantwortung, treffen Entscheidungen und bemühen sich noch schnell den
Vertragsentwurf / das Vorstellungsgespräch / die Abrechnung (oder eine andere
beliebige Aufgabe) vor Ostern (oder einem anderen beliebigen Feiertag) zu
erledigen. Denn der Chef oder der Kollege hatte es soooo brandeilig – und sie
beeilen sich, investieren mehr Stunden in die komplizierte Vertragserstellung
als eigentlich ihre tägliche Arbeitszeit hergibt, telefonieren stundenlang mit
dem Bewerber und finden schließlich einen noch möglichen Termin, und brauchen
dann – um den Vorgang abzuschließen - nur noch eine fachliche Rückmeldung, eine
Unterschrift, eine Entscheidung (oder eine andere beliebige Interaktion) ihres
Chef´s oder Kollegen und stellen fest: der ist bereits schon im Urlaub (oder einfach
nicht mehr erreichbar). … Frustrierend
oder? Zehrt an den Nerven und macht nicht so viel Spaß – oder? Und doch für
viele ein normales Bild im Alltag – oder?
Arbeit gibt uns Sinn
Unsere Arbeit und unser Arbeitsumfeld – alles, was damit zusammenhängt –
entscheidet ganz erheblich über die Zufriedenheit in unserem Leben. Wie wir
uns mit unserer Arbeit und in unserem Unternehmen fühlen hat damit ganz großen
Einfluss darauf, ob wir glücklich sind. Arbeit ist ein menschliches
Grundbedürfnis, verbunden mit Herausforderungen, Selbstwertgefühl, Anerkennung
und vor allem auch Resonanz. Resonanz mit den anderen (Kollegen, dem eigenen
Team, dem Chef…) und auch damit, was der Einzelne mit seinem Tun direkt
bewirken kann. Arbeit gibt
uns Identität und trägt nicht zuletzt zur Sicherung unseres Lebensunterhaltes
bei. Sie bietet uns damit ein starkes Fundament,
sowohl äußere (Versorgung) wie innere Bedürfnisse (Selbstverwirklichung)
erfüllt zu bekommen. Der Grad der Erfüllung hängt dabei stark davon ab, was wir
als Gegenwert für unsere Arbeitsleistung bekommen. Werden Menschen danach
befragt, was Arbeit für sie bedeutsam macht, ist Geld nicht die erste Antwort. Vielmehr
spielt die Sinnfrage hier eine zentrale Rolle.
In der bisherigen Forschung wird Arbeit daher
als eine elementare Grundlage angesehen, die Sinn stiften kann. Ergebnisse aus
einer Studie im Rahmen des aktuellen Fehlzeitenreports weisen darauf hin, dass
dabei nicht nur „Eigenschaften der arbeitenden Person, sondern auch die
gelebten Werte des Unternehmens entscheidend dafür sind, dass Sinnerleben am
Arbeitsplatz stattfinden kann. Zusätzlich tragen auch Merkmale der
Arbeitsaufgabe und die Passung von Person und Tätigkeit zum Sinnerleben bei.“
Ob also eine Arbeit als sinnvoll empfunden wird hängt davon ab, wie bedeutsam
die Tätigkeit für andere ist, wie stark eine Zugehörigkeit zum Unternehmen
empfunden wird, welches Werteverständnis in der Organisation gelebt wird und
wie gut der Mitarbeiter hinsichtlich seiner Fähigkeiten und Persönlichkeit auf
die geforderte Aufgabe passt.
Eine Erklärung macht noch keine Lösung
Das klingt alles logisch. Und damit lässt sich dann vielleicht auch die
schlechte Laune bei der Arbeit erklären: denn dann sind diese genannten Punkte
wie
- Ich fühle mich meinem Unternehmen zugehörig
- Meine Tätigkeit ist bedeutsam (sinnvoll) für andere
- Mein
eigenes Werteverständnis passt zu dem meiner Organisation
(und damit auch zu dem meiner Kollegen...) - Ich passe mit meinen Fähigkeiten zu meiner Aufgabe
wahrscheinlich nicht oder nicht ausreichend erfüllt…
Und jetzt? Was tun? Alleine die Erklärung – oder eine mögliche - hierfür
zu haben hilft mir ja nicht, meinen Lebensunterhalt zufrieden zu bestreiten. Und
vom bedingungslosen Grundeinkommen sind wir ja noch etwas entfernt. Klar –
kündigen, einen neuen Arbeitgeber suchen – auf jeden Fall ist das dann
wahrscheinlich die beste Lösung, wenn ein Zustand bei einem Arbeitgeber
unerträglich geworden ist. Ob es jedoch tatsächlich „den Traumarbeitsplatz“ gibt, an dem alles
stimmt und der dann z.B. noch nah am eigenen Wohnort liegt, genau die
Arbeitszeiten bietet, die man sich wünscht, die Kollegen auch noch echte neue
Freunde werden und wo Bezahlung & Benefits einfach stimmen… das bezweifle
ich. 😉
Emotional stabil in einer nicht perfekten Arbeitswelt
Vielmehr glaube ich, dass es
zukünftig viel mehr darum gehen muss, wie wir mit diesen Situationen der „nicht
perfekten Arbeitswelt“ umgehen können. Wie gelingt es uns, hier die notwendige
Gelassenheit an den Tag zu legen, dass uns die „schlechte Laune“ nicht bis in
den Feierabend hinein runterzieht? Wie schaffen wir es, dass wir trotz
eingefahrener Muster, immer wieder engagiert daran arbeiten, schlechte und
unwirtschaftliche Prozesse in unseren Organisationen zu verändern – oder, wenn
das ein Kampf gegen Windmühlen sein sollte – dies dann auch hinnehmen zu können
und uns darauf fokussieren, was an Tätigkeiten oder Abläufen wir selber
beeinflussen können? Wie schaffen wir es, respektvolles Feedback geben und
nehmen zu können und damit gleichzeitig in unserer internen Kommunikation im
Unternehmen zu wachsen?
Es geht hier nicht darum, unsere „schlechte Laune“ hinzunehmen – es geht
darum im Jammern nicht stecken zu bleiben sondern aktiv und selbstbestimmt unser
Arbeitsumfeld zu gestalten.
Für mich zu sorgen statt mich zu ärgern
Ob es hier den einzig richtigen Weg hierfür gibt? Ich glaube nicht.
Wichtig ist, herauszufinden, was jeder für sich selbst benötigt, um „in einem
guten Zustand“ zu sein. Das heißt, die eigenen Ressourcen zu kennen, die „die
Batterien“ bestmöglich aufladen – um sich dann von der wenn auch leider nicht perfekten
jedoch oftmals einfach realen Arbeitswelt – nicht runterziehen zu lassen.
Also, - was tut Ihnen gut? Ist es der Sport, das leckere Abendessen mit
Freunden, Urlaube und Reisen oder viel Zeit mit der Familie zu verbringen, ein
Hobby…? Wichtig ist, etwas zu tun, was Ihnen wirklich gut tut! Was ist das, was
bei Ihnen uneingeschränkt „schöne, gute Gefühle“ auslöst? Woraus können Sie
Kraft tanken? Das kann auch mal etwas ganz kleines sein, wie einfach nur
bewusst zu atmen oder draußen dem Vogelgezwitscher zuzuhören. Wann haben Sie z.B. zuletzt die Vögel draußen gehört und „gute Luft“ eingeatmet? Kostet nix
und kann man direkt umsetzen.😊 Es kann natürlich
auch durch regelmäßiges Entspannen, kleine Auszeiten, Spaziergänge oder Yoga
sein. Interessanterweise ist jetzt ein Kurs in Yoga sogar vom
Landesarbeitsgericht Berlin – unter bestimmten Voraussetzungen – als Bildungsurlaub
anerkannt worden.
Fazit
Warum wir beim Arbeiten ggf. schlechte Laune bekommen, lässt sich
erklären. Das wir sie wieder loswerden können
- darauf können wir selber Einfluss nehmen. Und mein Tipp an
Unternehmen: genau hierbei können sie ihre Mitarbeiter unterstützen:
Wenn Sie möchten, dass ihre Mitarbeiter alles geben, im Sinne des
Unternehmens denken, handeln und sich einfach von den oft so menschlichen
Widrigkeiten des Alltags nicht unterkriegen und abhalten lassen, das Unternehmen gemeinsam
besser zu machen, dann sorgen sie dafür, dass ihre Mitarbeiter ihre Ressourcen
aufladen können.
Das setzt erstens voraus, dass ihre Mitarbeiter überhaupt wissen, was ihnen gut tut und zweitens, sich trauen, mit ihnen darüber zu sprechen.
Das setzt erstens voraus, dass ihre Mitarbeiter überhaupt wissen, was ihnen gut tut und zweitens, sich trauen, mit ihnen darüber zu sprechen.
Hier in einen –
vertrauensvollen und offenen - gemeinsamen Austausch zu gehen, dem
Mitarbeiter Impulse zu setzen oder
einfach mal nachzufragen, kann ein guter Anfang sein. Und für alle Freunde von
Mitarbeitergesprächen: Wie wäre es, das nächste Mitarbeitergespräch einfach mal
über gute Laune zu führen und was dazu beitragen kann, sie zu haben? Vielleicht
macht das ja dann sogar allen Spaß. 😉
Quellen/Hinweise
1) Badura,
Ducki, Schröder, Klose, Meyer, Fehlzeiten-Report 2018, Springer
2) BMAF
Wertewelten Arbeiten 4,0
3) EY
Jobstudie 2017; EY Studentenstudie 2018
5) https://www.spiegel.de/karriere/urteil-in-berlin-yogakurs-zaehlt-als-bildungsurlaub-a-1263148.html; LAG Berlin Urteil vom 11.04.2019,
Aktenzeichen 10 Sa 2076/18