Dienstag, 13. März 2018

#NewRules - Brauchen wir wirklich neue Regeln?

Bild + Foto: B. Redmann

"Nichts ist absolut. Alles verändert sich, alles bewegt sich, alles dreht sich, alles fliegt und verschwindet" - so das Eingangszitat der Blogparade #NewRules - so will ich arbeiten!

#NewRules – heißt für mich einmal anders - weiblicher?! - an ein Thema herangehen: Keine „fertige“ Lösung präsentieren, keine Nabelschau, kein „besser, schneller, richtiger, weiter“... 

#NewRules bedeutet für mich vor allem: reflektieren, hinterfragen, empfänglich sein. Für das, was da ist, für das Neue und für das, was ich bereit bin zu tun, um an einem bestmöglichen Umfeld mit zu wirken, in dem ich leben und arbeiten will.
Mein Beitrag zu #NewRules? Meine Fragen!
Mein Wunsch? Ein Austausch und eine gemeinsamen Gestaltung einer fairen, auf Chancen fokussierende und gewinnbringenden Zusammenarbeit.

Inhalt:
? Auf welche Fragen soll es Antworten geben?
? Warum suchen wir nach neuen Regeln?
? Geld, Zeit, Leistung - mit Regeln Freiraum schaffen?
? Der Staat als nehmender Regelsetzer?

Viele von uns genauso wie viele Unternehmen und auch die Politik beschäftigen sich derzeit damit, wie unsere Arbeitswelt der Zukunft aussehen soll. So passt auch der „Aufruf“ in der Blogparade punktgenau in diese Thematik hinein, unsere derzeitigen Regeln in der Arbeitswelt zu hinterfragen und das „Spielfeld der Arbeitswelt neu abzustecken“. 

? Auf welche Fragen sollen uns diese Regeln Antworten geben können?

Sind es die Grundfragen einer arbeitsteiligen Wirtschaft? Auf der einen Seite Menschen die Geld brauchen, und andererseits dafür Leistungen versprechen, die andere wiederum benötigen?
Ist es die Frage, wie wir damit umgehen, wenn der eine nicht bereit ist das Geld zu zahlen, was der andere meint zu verdienen? Oder die Frage, wie wir damit umgehen, dass der andere eine Leistung versprochen hat, die er gar nicht wirklich erbringen kann, aber die er versprechen wollte, um das Geld zu bekommen, was ihm der andere angeboten hat?

Unsere gesamte Rechtsprechung und auch die Gesetzgebung dreht sich im Zweifelsfall immer um diese Fragen: Was ist eine Leistung? Und was ist die faire Gegenleistung? 

? Warum suchen wir nach neuen Regeln? 

Weil wir hoffen, dass sie uns die „Arbeit“ abnehmen uns mit dem Geschäftspartner zu verständigen? Weil wir einen Dritten oder einen Vermittler suchen, der uns die Verantwortung abnimmt, mit einem anderen eine Abmachung zu treffen die für beide Seiten wirklich fair ist? 

Wenn diese Frage mit Ja zu beantworten wäre, würde dies nicht bedeuten, dass wir eigentlich gar keine Lust darauf haben, unsere Lösungen selber herzustellen, sondern gerne einen „Regelsetzer“ haben, der es uns ermöglicht, uns einfach auf eine Regel zu berufen? Diese „Arbeit“, eine faire Lösung auszuhandeln, im Zweifel immer wieder oder situationsbezogen auszuhandeln, nicht wirklich selber machen zu müssen, zumal sie ja auch nicht immer angenehm ist...? 

Was ist Dein "Warum", dass Dich nach neuen Regeln suchen lässt?

? Geld, Zeit, Leistung - mit Regeln Freiraum schaffen?

In Deutschland besteht die generelle Haltung, dass die Netto-Arbeitslöhne im Verhältnis zur erbrachten Leistung nicht als fair empfunden werden, sie müssen schon deswegen ständig nach oben verhandelt werden.

Andererseits hat sich im Zeugniswesen eingebürgert, dass Arbeitszeugnisse nicht mehr wirklich die Wahrheit schildern, weil unsere Gesellschaft wahre – schlechte - Arbeitszeugnisse nicht mehr tolerieren will, wenn sie nicht eine überdurchschnittliche Leistung zum Ausdruck bringen. 
Unter dem Strich, geht es immer um den alten Verteilungskonflikt um Geld, Zeit und Leistung.

Wie sollen wir diesen Konflikt mit generellen Regeln lösen können? Kann die gleiche Regel bei einem Friseur angewandt werden, wie bei einem Fleischer? Sollte die Regel nicht so gut sein, nicht so gerecht sein, dass auch der Fußballprofi der danach eine Bezahlung erhält, diese als fair empfindet? Und alle anderen empfinden es auch so?

Wenn Regeln nicht in der Lage sein sollten, eine solche kluge Abwägung der legitimen beiderseitigen Interessen zu bewerkstelligen, können sie dann nicht nur dazu dienen, einen Freiraum zu definieren, in welchem wir Menschen - egal auf welcher Seite des Vertragsverhältnisses - auf eine Art und Weise zu einer Übereinkunft kommen, die von beiden Seiten als angemessen und richtig bewertet wird? Und das diese Übereinkunft auch im Rahmen einer Rückschau Bestand hat.

Entsteht Freiheit nicht erst in einem solchen rechtlichen Rahmen?

? Der Staat als nehmender Regelsetzer?

Im Arbeitsverhältnis haben beide Vertragsseiten zudem mit der Besonderheit zu leben, dass der Regelsetzer, also der Staat, beteiligter Dritter in dieser Vertragsbeziehung ist: Über die Sozialversicherungssysteme profitiert er unmittelbar  von dieser Beziehung. Er gibt also die Regeln (die  Gesetze) vor und verfolgt gleichzeitig eigenständige finanzielle Interessen, in dem er gewisse Risiken dem Arbeitnehmer oder dem Arbeitgeber oder beiden auferlegt, damit er sie als Staat nicht selber tragen muss. (Entgeltfortzahlung, Mutterschutz, etc.). 

Tatsächlich sitzt der Staat also gar nicht mit am Verhandlungstisch, partizipiert jedoch an den verhandelten Leistungen. So regelt er einseitig die Höhe der Sozialversicherungsabgaben und selbst bei Abfindungsvereinbarungen hat er die Regeln ja vor einigen Jahren dahingehend verändert, dass die gesamte Abfindungshöhe steuerpflichtig wurde.

Die abschließende Frage ist daher, wie weit kann man einem Regelsetzer für „New Rules“ Redlichkeit und Fairness unterstellen, der eigene Interessen zu Lasten der Erwerbsinteressen der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber verfolg?

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #NewRules - so will ich arbeiten!, der von New Work Woman und CO:X initiiert wurde. Vielen Dank Euch dafür!



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